Welches Radel hätten’s denn gern?
1980 war der moderne Man (ein «n» war damals noch korrekt) eine Band der Neuen Deutschen Welle, die eine Platte namens «Umsturz im Kinderzimmer» veröffentlichte, auf der unter anderem der Aufriss in der Disco besungen wurde. Schlimm. Zum Glück kamen andere Zeiten – und bessere Sitten. 29 Jahre später ist der moderne Mann nämlich ein gesundheitssensibler Pfundskerl, der sich lieber aufs Fahrrad schwingt, statt blöd in Clubs rumzumachen. Das einzige Problem, dass sich ihm dabei in den Weg stellt, lautet frei nach Robert Lembke: «Welches Radl hätten’s denn gern.» (...)
(...) Das Velo für Buntfalten-Manager
Zum Glück gibt es Zeitungen, die Journalisten abkommandieren, um Velos zu testen. Die einen erledigen das wie professionelle «EMPA»-Forscher, andere setzen eher auf das grosse Gefühl. Der Schreibende gehört zur zweiten Gruppe. Und so fand er sich am letzten Donnerstagmorgen nach einen pessimistischen Tagesstart plötzlich auf einem Fahrrad namens «Optimist » wieder, radelte damit vom ländlichen Mettmenstetten ins noch ländlichere Maschwanden – und war trotz Millionen von Pollen (mit zwei «l», sonst könnte ein blödes Missverständnis entstehen) und akuten Niesattacken genauso hysterisch begeistert wie Gwyneth Paltrow in der Oscar- Nacht von 1999. Er fragte die Redaktion, ob er diese Emotion ausnahmsweise in einer Gedichtstrophe zum Ausdruck bringen dürfte, und er bekam grünes Licht. Rainer Maria Rilke: «Das ist die Sehnsucht: Wohnen im Gewoge und keine Heimat haben in der Zeit. Und das sind Wünsche: Leise Dialoge täglicher Stunden mit der Ewigkeit.» (...)

